KI in Buchhaltung und Finanzen: Vom Belegstapel zum geprüften Buchungsvorschlag

In der Buchhaltung übernimmt KI die Vorarbeit: Eingangsrechnungen erfassen, Kontierung vorschlagen, Zahlungseingänge zuordnen und die Zahlen für den Monatsabschluss zusammentragen. Gebucht wird erst nach Freigabe durch die Buchhaltung, und die Vier-Augen-Prüfung konzentriert sich auf die Fälle, die das System als unsicher markiert.

Worum es geht

KI in der Abteilung Buchhaltung & Finanzen auf einen Blick

Die Buchhaltung ist die Abteilung mit dem höchsten Anteil an strukturierter Wiederholungsarbeit im Unternehmen. Jeder Beleg durchläuft dieselben Schritte: erfassen, prüfen, kontieren, freigeben, buchen, zahlen, abgleichen. Genau dort setzt KI an, nicht beim Jahresabschluss und nicht bei der Bilanzpolitik. Der Buchhalter wird nicht ersetzt, aber er verbringt seine Zeit mit den 15 Prozent der Belege, die wirklich eine Entscheidung brauchen, statt mit den 85 Prozent, die immer gleich laufen.

Abteilung
Buchhaltung & Finanzen
Typische Aufgaben
  • Kontierungsvorschlag für Eingangsrechnungen
  • Zahlungseingänge zuordnen
  • Vorbereitung des Monatsabschlusses

Kapitel 1

Wie der Alltag in der Buchhaltung heute aussieht

In einem Unternehmen mit 200 Mitarbeitenden hat die Buchhaltung drei bis vier Personen. Pro Tag kommen 60 bis 120 Eingangsrechnungen, die meisten als PDF per E-Mail an ein Rechnungspostfach, einige per Post, ein wachsender Teil als elektronische Rechnung im XRechnung- oder ZUGFeRD-Format. Eine Mitarbeiterin lädt die Rechnungen ins DMS, legt sie zur Prüfung an die Fachabteilung vor und wartet. Die Fachabteilung braucht im Schnitt vier Tage für die sachliche Freigabe, bei Urlaub länger. Skontofristen verstreichen, Lieferanten mahnen, obwohl die Rechnung nur noch nicht gefunden wurde.

Nach der Freigabe kontiert die Buchhaltung: Sachkonto, Kostenstelle, Steuerschlüssel, Zahlungsziel. Bei bekannten Lieferanten ist das Routine, bei Sammelrechnungen und Sonderfällen beginnt die Recherche. Morgens kommt der Kontoauszug mit über 100 Zahlungseingängen, deren Verwendungszwecke oft nur den Kundennamen enthalten. Und am Monatsende verlangt die Geschäftsführung Zahlen, die aus ERP, Excel-Listen und E-Mails zusammengesucht werden.

Bestellung
Nordwind Technik GmbH · Nr. BE-2026-04417 · 28.10.2026
Lieferung bis
05.11.2026
Pos.ArtikelMengeEinzelGesamt
1Flachstahl S235JR 60×8, 6 m
Stk.
4018,40 €736,00 €
2Rundrohr 48,3×3,2, 6 m
Stk.
2431,90 €765,60 €
3Sechskantschraube M12×40, A2
VE 100
627,50 €165,00 €
4Winkelprofil 50×50×5, 3 m
Stk.
1814,20 €255,60 €
Netto1.922,20 €
Lieferadresse: Werk 2, Tor 4
Ansprechpartner: Einkauf, Hr. Behrens
Wartet auf Erfassung
Beispiel einer Bestellung als PDF, noch nicht erfasst
Eine Bestellung als PDF im Postfach. Markiert ist, was bisher von Hand ins ERP übertragen wurde.

Kapitel 2

Welche Aufgaben sich eignen und welche nicht

Gut geeignet:

  • Eingangsrechnungen erfassen und mit Bestellung und Wareneingang abgleichen
  • Kontierungsvorschläge aus Lieferantenhistorie und Bestellbezug ableiten
  • Zahlungseingänge offenen Posten zuordnen, auch bei Sammelzahlungen
  • Mahnläufe vorbereiten und Mahnstufen vorschlagen
  • Den Monatsabschluss vorbereiten: offene Bestellungen ohne Rechnung, wiederkehrende Abgrenzungen, Abweichungen zum Vormonat

Nicht geeignet sind Bewertungsfragen und steuerliche Beurteilungen. Ob eine Rückstellung in dieser Höhe angemessen ist, ob eine Leistung umsatzsteuerlich als Werklieferung gilt, ob ein Vermögensgegenstand aktiviert werden muss: Das entscheiden Ihre Buchhaltungsleitung und der Steuerberater. Das System kann Fälle sammeln und Entscheidungen vorbereiten, mehr nicht.

Kapitel 3

So arbeitet eine Lösung konkret

Der Rechnungseingang beginnt im Postfach. Das System holt die Rechnung, liest sie mit intelligenter Dokumentenverarbeitung aus und erkennt Lieferant, Rechnungsnummer, Datum, Positionen, Beträge und Steuersätze. Elektronische Rechnungen werden direkt aus den strukturierten Daten übernommen. Dann sucht es die zugehörige Bestellung im ERP und prüft Mengen und Preise gegen Bestellung und Wareneingang. Die Technik dahinter beschreibt die Themenseite zur Dokumentenverarbeitung quer durch alle Abteilungen. Hier geht es um die Perspektive der Buchhaltung.

Aus Bestellbezug und Historie entsteht ein Kontierungsvorschlag. Rechnungen mit Bestellung, passenden Beträgen und bekanntem Konto wandern in die Sammelfreigabe. Die Buchhalterin sieht eine Liste, prüft Stichproben und gibt mit einem Klick frei. Rechnungen ohne Bestellung, mit Abweichungen oder von neuen Lieferanten werden einzeln vorgelegt, jeweils mit dem Hinweis, warum das System unsicher war. Die sachliche Freigabe durch die Fachabteilung läuft über einen Workflow mit Erinnerung und Vertreterregelung, damit keine Rechnung vier Tage im Postfach eines Abwesenden liegt.

Beim Zahlungsabgleich liest das System den elektronischen Kontoauszug und vergleicht jeden Eingang mit den offenen Posten: Rechnungsnummer im Verwendungszweck, Betrag, Kundenname, bisheriges Zahlungsverhalten. Sammelzahlungen für mehrere Rechnungen werden aufgelöst, Skontoabzüge gegen die Frist geprüft. Nur die Fälle, die nicht eindeutig sind, landen bei einer Mitarbeiterin. Die Verbindung zur Ausgangsseite, also von Angebot über Auftrag zur Rechnung, zeigt die Seite zu Angebots- und Rechnungsprozessen.

Auftragsvorschlag · ERP
Prüfen
KundeNordwind Technik GmbH · 10044
Bestell-Nr.BE-2026-04417
Liefertermin05.11.2026
Positionen4 · 1.922,20 € netto
QuellePDF-Anhang, E-Mail vom 28.10.
ÜbernehmenKorrigierenAblehnen
Beispiel einer ERP-Maske mit Auftragsvorschlag zur Freigabe
Der Auftragsvorschlag im ERP: Abweichungen markiert, Freigabe durch einen Menschen.
Posteingang · einkauf@
heute, 07:42 · 31 neu
Nordwind Technik GmbHBestellung BE-2026-04417Bestellung
Hansen LogistikAvis Sendung 88212 – Ankunft Do.Avis
K. MeyerFrage zu Angebot 2026-0391Rückfrage
Bremer Stahlhandel KGRechnung 77-10233Rechnung
Zoll BremerhavenNachweis Ursprung, Pos. 3Zoll
Vorsortiert durch den Assistenten. Zuordnung ändern: Klick auf das Etikett.
Beispiel eines Sammelpostfachs, vom Assistenten vorsortiert
Der Posteingang, vorsortiert nach Bestellung, Avis, Rückfrage und Rechnung, mit Vorschlag für die Antwort.

Kapitel 4

Was Sie vor dem Start klären sollten

Die Buchhaltung ist der Bereich mit den klarsten rechtlichen Anforderungen. Die GoBD verlangen eine Verfahrensdokumentation, die beschreibt, wie Belege verarbeitet, geprüft und archiviert werden. Diese Dokumentation entsteht im Projekt. Rechnungen enthalten personenbezogene Daten, mindestens Ansprechpartner und bei Einzelunternehmern den Namen des Inhabers. Ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Modellanbieter ist deshalb Pflicht, siehe auch DSGVO und KI.

Der Betriebsrat hat ein Mitbestimmungsrecht, wenn Bearbeitungszeiten oder Freigabequoten einzelnen Mitarbeitern zugeordnet werden können. Wir empfehlen, Auswertungen auf Teamebene zu beschränken und das schriftlich festzuhalten. Datenqualität bedeutet in der Buchhaltung vor allem gepflegte Lieferantenstammdaten mit Bankverbindung und Standardkonto sowie offene Posten, die mit der Realität übereinstimmen.

Kapitel 5

Wie ein Einstieg aussieht

Der Rechnungseingang ist der Standardeinstieg, weil das Volumen messbar und der Nutzen schnell sichtbar ist. Wir starten mit einer Prozessaufnahme: Welche Belegarten, welche Mengen, welche Systeme, wo hakt die Freigabe. Dann bauen wir Erfassung und Kontierungsvorschlag und lassen sie vier Wochen parallel laufen, in denen die Buchhaltung jeden Vorschlag korrigiert und das System daraus lernt. Als zweiter Schritt folgt der Zahlungsabgleich, als dritter die Vorbereitung des Monatsabschlusses, die auf der Seite zur Reporting-Automatisierung genauer beschrieben ist. Mit der Betreuung stellen wir sicher, dass neue Lieferantenformate und geänderte Kontenrahmen laufend nachgezogen werden.

Aus dem Alltag

Vorher und nachher: Buchhaltung & Finanzen

AufgabeHeuteMit AssistentEffekt
Kontierungsvorschlag für EingangsrechnungenZwei Buchhalterinnen kontieren täglich rund 90 Eingangsrechnungen. Für jede suchen sie den Lieferanten, prüfen die Bestellung, wählen Sachkonto und Kostenstelle. Bei neuen Lieferanten oder Sammelrechnungen dauert es doppelt so lange.Jede Rechnung kommt mit Kontierungsvorschlag aus Lieferantenhistorie und Bestellbezug. Die Buchhalterin bestätigt oder korrigiert. Rechnungen mit passender Bestellung und bekanntem Konto werden gebündelt freigegeben.von 4 Minuten auf 45 Sekunden pro Rechnung
Zahlungseingänge zuordnenDer Kontoauszug zeigt 120 Zahlungseingänge pro Tag. Verwendungszwecke sind unvollständig, Kunden zahlen Sammelbeträge für mehrere Rechnungen oder ziehen eigenmächtig Skonto. Die Zuordnung zu offenen Posten dauert jeden Morgen zwei Stunden.Das System ordnet Zahlungen über Rechnungsnummer, Betrag, Kundenname und Historie zu und erkennt Sammelzahlungen. Unklare Fälle und Skontoabzüge außerhalb der Frist landen in einer Liste zur Entscheidung.von 2 Stunden auf 20 Minuten täglich
Vorbereitung des MonatsabschlussesZum Monatsende sammelt die Leitung Finanzen Abgrenzungen, offene Bestellungen ohne Rechnung und Rückstellungen aus ERP, Excel und E-Mails zusammen. Der Abschluss ist am zehnten Werktag fertig.Offene Bestellungen ohne Rechnung, wiederkehrende Abgrenzungen und Abweichungen zum Vormonat werden automatisch zusammengetragen und kommentiert. Die Leitung Finanzen prüft eine Liste statt zu suchen.Abschluss am fünften statt am zehnten Werktag

Die Effekte sind typische Größenordnungen für Betriebe dieser Art, keine Zusage für Ihren Fall. Was bei Ihnen möglich ist, zeigt die Potenzialanalyse.

Häufige Fragen

Bucht die KI selbständig oder schlägt sie nur vor?

Sie schlägt vor. Jede Buchung wird von einer Buchhalterin freigegeben, entweder einzeln oder gebündelt für Rechnungen mit Bestellbezug und bekanntem Konto. So bleibt die Buchhaltung für Betriebsprüfer nachvollziehbar, und die Verantwortung liegt bei einer Person. Eine vollautomatische Buchung für bestimmte Belegarten ist später möglich, wenn die Trefferquote über Monate dokumentiert ist.

Ist das mit den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung vereinbar?

Ja, wenn die Lösung richtig gebaut ist. Die GoBD verlangen Nachvollziehbarkeit, Unveränderbarkeit und eine Verfahrensdokumentation. Das System protokolliert, welcher Vorschlag wann von wem freigegeben wurde, und die Originalbelege bleiben unverändert im DMS. Die Verfahrensdokumentation ist Teil unseres Projekts, nicht Ihre Aufgabe danach.

Wir haben DATEV und ein separates ERP. Geht das trotzdem?

Das ist eine häufige Konstellation im Mittelstand. Die Rechnungsdaten werden im ERP oder in einem Vorsystem erfasst und über die DATEV-Schnittstellen an die Finanzbuchhaltung oder den Steuerberater übergeben. Wir setzen auf die vorhandenen Schnittstellen auf und bauen keine Parallelwelt.

Was ist mit Rechnungen, die keiner Bestellung zugeordnet sind?

Für Rechnungen ohne Bestellbezug, etwa Energie, Miete, Telefon oder Beratung, lernt das System aus der Historie: Welcher Lieferant wurde bisher auf welches Konto und welche Kostenstelle gebucht. Der Vorschlag ist dann weniger sicher und wird so markiert. Bei neuen Lieferanten gibt es keinen Vorschlag, sondern eine Weiterleitung an die zuständige Person.

Wie lange dauert es, bis der Rechnungseingang läuft?

Die Erfassung mit Kontierungsvorschlag ist in sechs bis acht Wochen produktiv, wenn ERP und DMS Schnittstellen haben. Der Zahlungsabgleich kommt als zweiter Schritt, weil er auf saubere offene Posten angewiesen ist. Beide Schritte zusammen dauern selten länger als ein Quartal.

Nächster Schritt

Welcher Prozess kostet Sie die meiste Zeit?

Erzählen Sie es in 30 Minuten. Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung, ob KI dort hilft und was der erste Schritt wäre.